Gespräche über die Orixá-Tradition

Ein Austausch über das alte Wissen der Schwarzen-Kultur mit Isaias Costa
Die Gesprächrunden
Ich lade Sie herzlich zu einem Austausch über die Traditionen der Orixás, wie sie in Brasilien, Afrika und der Karibik gelebt werden, ein. Der Abend wird reich an unkonventionellen Geschichten, Menschenbildern und Weltvorstellungen sein. Wir werden uns über Archetypen und ihre Mythen, aber auch über das für Europäer_innen ungewöhnliche Weltbild und Geschichtverständnis dieser mündlichen Überlieferung austauschen.
Ich greife aus der Erfahrung einer langen und tiefen persönlichen Auseinandersetzung – sowohl mit den Orixás als auch mit der wissenschaftlichen Kosmologie, der Kolonialismuskritik und der kulturhistorischen Frage der Negritude. Auch die Anwesenden sind eingeladen, selbst mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen beizutragen und auch ihre eigenen Standorte zu reflektieren.
Orixás
Orixás (zu Deutsch Orishas) sind Naturkräfte, Gottheiten, die traditionell in Afrika vor der Kolonisierung durch den Europäer von verschiedenen Völkern in ihren spirituellen Praktiken gelebt wurden. Die Orixás haben Kolonisierung und Sklaverei überlebt und fanden im letzten Jahrhundert einen Weg aus der Ausgrenzung zu einer angesehenen Religion, die in Brasilien, in der Karibik, in Afrika, seit einiger Zeit auch in Europa verbreitet ist.
Orixás sind aber zugleich menschliche Archetypen. Ähnlich wie im griechischen Olymp sind sie komplexe Charaktere, die nicht in ein duales Schema hineinpassen. Über Zeus zum Beispiel können wir nicht sagen, ob er böse oder gut ist; mit Sicherheit war er aber oft zornig und hat Blitze geschleudert!
Anders als die griechische Mythologie sind die Orixás bei uns in Österreich weitgehend unbekannt. Dadurch ist in der Auseinandersetzung mit ihnen unsere Offenheit und Neugierde gefragt. Diese bringt uns immer wieder schöne Überraschungsmomente.
Hier eine kurze Beschreibung einiger Archetypen:
Ogum hat in Hingabe zu seinem Volk das Eisen erfunden, so dass es den Boden besser pflügen konnte. Damit hat er aber auch das erste Schwert erschaffen und sein eigenes Volk massakriert.Obá ist die Kämpferin für Gerechtigkeit; sie ist bereit, dafür alles zu geben. Ohne Hintergedanken ist sie direkt und einfach. Dafür ist sie manchmal naiv und wird von anderen leicht missbraucht.
Oxum ist die Göttin des fließenden Wassers, der Liebe, der Schönheit. Du spürst ihre Zärtlichkeit jedes Mal, wenn du klares Wasser trinkst. Sie hat auch die Zerstörungskraft eines Wasserfalls oder die Hinterlistigkeit einer Stromschnelle.
Iroko, ein tausendjähriger Baum, hat schon alles gesehen. Iroko weiß den richtigen Moment zu treffen. Iroko ist der Fluß der Zeit, der uns alle trägt und alles durchfließt.
Praktische Informationen:
Zeit: Freitag von 18:30 – 20:30
Daten:
17.5.2022
Kosten: Diese Gespräche sind kostenlos.
Ort: Therapiezentrum Gersthof (TZG),
1180 Wien, Klostergasse 31-33.
Anmeldung: um Anmeldung wird gebeten unter
Tel. (0676) 7 065 065,
isaias.costa@tzg.at
Dr. Isaias Costa
ist Psychotherapeut für Integrative Gestalttherapie und Personenzentrierte Psychotherapie. Er hat viel Erfahrung in der therapeutischen Arbeit sowohl mit dem Körper als auch mit den Archetypen, z.B. durch Authentic Movement. Er ist in Rio umgeben von Naturkräften, Mythen und der Musik Brasiliens aufgewachsen und beschäftigt sich seit mehrere Jahren in Österreich mit der Orisha-Tradition.
